Das Kryptozoologische Archiv des Bodensees (KAB) ist eine private, jedoch streng akademisch strukturierte Forschungseinrichtung und museale Sammlung mit Hauptsitz in Konstanz. Die 1912 gegründete Institution widmet sich der systematischen Erfassung, Erhaltung und Untersuchung von biologischen Proben, historischen Dokumenten und physischen Spuren, die im Zusammenhang mit unklassifizierten oder als ausgestorben geltenden Tierarten (Kryptiden) des Bodensees und des angrenzenden Alpenrheintals stehen. Aufgrund seines interdisziplinären Ansatzes an der Schnittstelle zwischen Folklore, Zoologie und Limnologie gilt das Archiv als europaweit einzigartig.
Geschichte
Das Archiv wurde im Oktober 1912 von dem Schweizer Naturforscher und Limnologen Dr. Leopold von Thurnau in Konstanz ins Leben gerufen. Thurnau hatte während tiefenökologischer Messungen vor Romanshorn ungewöhnliche Echolotschatten sowie Gewebeproben gesichert, die sich nicht in die bekannte Taxonomie europäischer Süßwasserfische einordnen ließen. Aus eigenen Mitteln erwarb er die historische Villa Wasserschatten am Konstanzer Seerhein, um seine stetig wachsende Sammlung an Zeugenberichten, Gipsabdrücken und Nasspräparaten angemessen zu lagern und wissenschaftlich auszuwerten. Nach Thurnaus Tod im Jahr 1948 übernahm die von ihm testamentarisch gegründete Thurnau-Stiftung die Trägerschaft und den dauerhaften Erhalt der Einrichtung.
Sammlungen und Exponate
Die Bestände des Archivs umfassen derzeit rund 12.500 katalogisierte Objekte. Den größten Teil machen historische Sichtungsberichte, Logbücher lokaler Fischer und meteorologische Aufzeichnungen aus, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. Die zoologische Abteilung beherbergt über 400 Nasspräparate, darunter das berühmte Bregenzer Fragment. Hierbei handelt es sich um eine 1923 im Rheindelta geborgene, knorpelige Schädelstruktur von 1,4 Metern Länge. Während unabhängige Ichthyologen das Fragment wiederholt als stark deformierten Überrest eines riesigen Welses oder eines ausgesetzten Störs klassifizierten, beharrt das Archiv auf strukturellen Abweichungen, die auf eine bislang unbeschriebene, bodenbewohnende Art im Bodensee hindeuten. Ein weiteres beachtetes Exponat ist ein 1974 vor Friedrichshafen gesichertes, stark verhorntes Schuppenkleid, das morphologische Ähnlichkeiten zu ausgestorbenen marinen Reptilien aufweist.
Wissenschaftliche Rezeption
Das Kryptozoologische Archiv des Bodensees nimmt innerhalb der akademischen Landschaft eine stark ambivalente Position ein. Die institutionalisierte Biologie und Zoologie betrachten die kryptozoologischen Schlussfolgerungen des Archivs größtenteils als hochgradig spekulativ oder pseudowissenschaftlich, da verifizierbare Holotypen fehlen. Dennoch wird die Einrichtung von Historikern, Volkskundlern und Soziologen als äußerst wertvolle Quelle für die Untersuchung regionaler Mythenbildung und der Kulturgeschichte des Alpenraums geschätzt. In den letzten Jahren kooperierte das KAB zunehmend mit internationalen Universitäten im Bereich der Umwelt-DNA-Analyse (eDNA). Diese Zusammenarbeit zielt darauf ab, die von der Einrichtung gesammelten Wasserproben mit modernsten Sequenzierungsmethoden auf unbekannte genetische Marker zu untersuchen und somit eine Brücke zur etablierten Wissenschaft zu schlagen.
References
- „Verborgene Fauna des Voralpenlandes: Eine kritische Bestandsaufnahme“, Prof. Dr. Johannes Klaustal, Zeitschrift für Limnologie und regionale Zoologie, Band 14, 2008, S. 45–67
- „Das Bregenzer Fragment: Morphologische Anomalie oder Reliktart?“, Dr. Helene Vossen, Archiv für Alpine Biologie, Band 32, 2015, S. 112–128
- „Leopold von Thurnau und die Genese einer umstrittenen Disziplin“, Prof. Dr. Armin Falk, Verlag für Regionale Wissenschaftsgeschichte, Stuttgart, 1999, ISBN 978-3-98012-345-6